Von Achtsamkeit und Blogging

Achtsamkeit....

Dieses Wort, so habe ich das Gefühl, erfreut sich in letzter Zeit immer größerer Beliebtheit. Vielen Menschen wird vielerorts geraten ihrer Unglücklichkeit mit Achtsamkeit zu Leibe zu rücken, sich wieder auf die kleinen, schönen Dinge, die inneren Qualitäten, die genaue Form des Inneren Selbst zu besinnen.

Dabei ist das eigentlich nur die "einfach zu verdauende" Version dieser Tugend namens "Achtsamkeit". Vielmehr versteckt sich hinter diesem Schlagwort eine komplette Geisteshaltung, ja gar eine Lebenseinstellung.

"Wir können jeden Tag etwas lernen", lautet eine alte Redensart, und sie ist wahrer als so manch religiöses Dogma. Jeden Tag etwas lernen....Das klingt sehr einfach, ist aber eine ziemlich schwere Kiste. Denn oft gehen uns die kleinen, subtilen Zusammenhänge, die uns etwas über uns oder die Welt drumherum bebrigen könnten, durch unser grobmaschiges Fischernetz namens "Wahrnehmung".

Genau das zu verhindern, das Netz feinmaschiger zu machen, ist die Verkörperung der Achtsamkeit. Wenn wir jeden Tag etwas lernen wollen, so müssen wir jeden Tag achstam erleben.

Achtsam den Tag erleben. Es klingt so einfach und ist doch so schwer. Viel zu zahlreich sind die Ablenkungen und Genüsse unserer modernen Welt, als dass wir auch im Ansatz die Chance hätten permanent achtsam zu sein.

Diese Tugend ist zu einer Bürde geworden, zu einer lästigen Zerreisprobe im Angeischt des wohligen Konsums. Wir müssen zu Tricks oder langwierigen Übungen greifen, um uns dieser Lebenseinstellung wieder zu nähern, ja um sie erstmal wieder von neuem zu begreifen. Denn eigentlich haben wir längst vergessen, was Achtsamkeit überhaupt ist, und warum sie sich so sehr lohnt. Alleine das Wort "achtsam" klingt heuertags antiquiert und angestaubt, fast wie "Großeltern-Sprache".

Da wir den Salat aber bereits haben hilft es auch nicht groß darüber zu reflektieren oder gar zu lamentieren. Eine Technik oder ein Training muss her um diesem Mißstand beizukommen.

In meinem Fall ist das ein Blog.

Ich liebe das Schreiben und das Erzählen, ohne diese Dinge gehe ich ein. Da lag ein Blog nur nahe.

Andererseits ist das Netz voll mit Leichen von Larifari-Blogs über alle erdenklichen Nichtigkeiten. Um das zu vermeiden gibts nur einen Weg: Regelmäßigkeit und Substanz. Diese wiederrum sind eigentlich nur zu erreichen, wenn man über etwas schreibt, was einen selbst bewegt oder für unser Herz oder Geist eine gewisse Wichtigkeit hat.

Leider sind diese Dinge im Alltag meist rar gesäht. Nicht jeden Tag läuft uns irgendwas Derartiges über den Weg.

Es sei denn wir sehen genau hin! Irgendwas Wichtiges oder Gehaltvolles versteckt sich immer irgendwo in den Ritzen des Alltags.

Et voilà: Achtsamkeit!

Womit wir wieder beim Ursprung wären.

Achtsamkeit ist der Schlüssel zu gutem blogging, gutes blogging ist der Schlüssel zur Achtsamkeit.

Zumindest hoffe ich, dass es sich auch für mich in der Zukunft so darstellen wird.

8.4.08 19:00

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